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  2010
 

Marlies Liekfeld-Rapetti, Zucht, 2010, Ausstellungsansicht, Detail, Foto: Ferdinand Neumüller 18.02.2010 - 16.05.2010:

Marlies Liekfeld-Rapetti. Zucht
Das Elementare des Lebens, der Kreislauf von Entstehung, Wachstum und Verfall, der vor allem an den Oberflächen von Körpern sichtbar wir d,bildet einen zentralen thematischen Rahmen in Marlies Liekfeld-Rapettis Kunst, ihre Lebenserfahrung als Frau, den Hintergrund. Als Ausgangsmaterial für ihre plastischen Arbeiten dient Papier. In Flüssigkeiten getränkt und geschichtet, vermag es die haptischen Qualitäten, die Fragilität und Verletzlichkeit von Haut zu transportieren. Mit diesem Werkstoff gestaltet die Künstlerin „Leibhautkleider“, „Körperschalen“ und „Mumis“. Die Entwicklungen im Bereich der Molekularbiologie, allen voran das erstmals erfolgreiche Klonen eines Säugetieres im Jahr 1996, führte die Künstlerin zur Beschäftigung mit der möglichen Einflussnahme auf die natürlichen Abläufe des menschlichen Lebens. Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ aus den 1930er Jahren, in dem die Züchtung und Manipulation von Menschen als düstere Vision in Aussicht gestellt wird, wurde schließlich zum Impuls für eine künstlerische Aufarbeitung und der Entstehung von Fruchtblasen. In der Installation „Zucht“ in der Burgkapelle setzt Marlies Liekfeld-Rapetti die plexigläsernen Gebilde mit anderen Werkgruppen in Verbindung und dringt so noch tiefer in die Thematik ein.

  2009
 

Katalin Deér. Gottes Haus, Installation in der Burgkapelle MMKK, 2009 01.10.2009 - 31.01.2010:

Katalin Deér. Gottes Haus
Gottes Haus ist eine raumbezogenen Installation der Bildhauerin Katalin Deér. Die aus Palo Alto, USA, stammende Künstlerin lebt heute in der Schweiz. Ihre Arbeiten, die stets an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Bildhauerei angesiedelt sind, stellen eine ideale, dialogische Erweiterung der Fotoausstellung im MMKK dar.
Ausschnitt aus: Dragoljub Raša Todosijević: Fuxus Piano - You will never play again, 2009, Kunstraum Burgkapelle MMKK 03.07.2009 - 13.09.2009:

On Normality. Kunst aus Serbien 1989-2001
Dragoljub Raša Todosijević: Fuxus Piano - You will never play again, 2009, Kunstraum Burgkapelle MMKK
Ausstellungsansicht, Detail: Markus Orsini-Rosenberg, Simulakrum, Burgkapelle MMKK, 2009 21.03.2009 - 14.06.2009:

Markus Orsini-Rosenberg. Simulakrum
Der in Wien und in Damtschach lebende Künstler Markus Orsini-Rosenberg (Jg. 1961) stellt in seiner Malerei Natur als eine Metapher der Innerlichkeit zur Disposition. Unter dem Titel "Simulakrum"hat er eine Installation mit Landschaftsbildern geschaffen, in deren räumlicher Inszenierung er die historisch illusionistischen Fresken von Josef Ferdinand Fromiller ausblendet. Mit der Verhüllung dieses großformatigen Freskos in der Apsis des ehemaligen barocken Kirchenraums verweist der Künstler die historische Repräsentationsikonographie in ihre Schranken. Er konstituiert den historischen Raum neu und betont dessen strukturelle Eigenschaften. Die Kapelle erscheint nicht länger als Ort barocker illusionistischer Inszenierung von Macht und Politik, sondern als Ort der verborgenen Erinnerung, an dem die Transformation von Illusion und Täuschung vollzogen wird.

  2008
 

Ausschnitt aus der Installation: Pepo Pichler: Jacob's Nightmare, 2008 28.11.2008 - 15.02.2009:

Pepo Pichler: Jacob's Nightmare
Pepo Pichler (Jahrgang 1948), der zwischen St. Margarethen und San Francisco pendelt, hat eigens für die Burgkapelle die Installation Jacob’s Nightmare konzipiert. In dem ehemals sakralen Kapellenraum inszeniert er sehr eindrucksvoll, unter Bezugnahme auf aktuelle weltpolitische Ereignisse, eine künstlerische Erzählung von der sich selbst generierenden Kraft des Bösen und menschenverachtender Gewalt. Im Unterschied zu der alttestamentarischen Geschichte gewinnt das Böse die Überhand; aus Symbolen der Erkenntnis und Einsicht werden Mordinstrumente, die eine Fortsetzung von Krieg und Gewalt festschreiben. Nonchalant setzt Pepo Pichler in die religiöse Ikonografie der Kapelle den „Geburtentisch“, auf dem sich der Prozess der Verwandlung vollzieht. Der Stein, mit dem einst Kain seinen Bruder Abel erschlug, transformiert sich in eine moderne Handfeuerwaffe. Die Leiter, die einst Jakob im Traum erschien, generiert nicht Erkenntnis, sondern Gewalt in Form von Handgranaten und Maschinengewehren. Der Reliquienschrein steht als eine glänzende, spiegelnde Verherrlichung der Todesmaschinerie Krieg, die als Trophäe einen „Bodybag“ in sich birgt, ein Leichentuch, das jeder Soldat in seinem Rucksack trägt.
Johannes Domenig, The Last Support, 2008; Burgkapelle MMKK 07.07.2008 - 02.11.2008:

Kunstraum Burgkapelle: Johannes Domenig: The last Support
Die künstlerische Arbeit von Johannes Domenig kreist um die Auseinandersetzung mit dem Menschenbild und der menschlichen Existenz an sich. Ohne dabei den Menschen selbst abzubilden, fließen die Dinge des Lebens, die in der Alltags- und Konsumwelt auf seine Existenz verweisen, in das bildhauerische Oeuvre ein. Damit findet auch die Beschäftigung mit der dem Menschen eigenen Spiritualität Eingang im Werk des Künstlers. Die Arbeit "The last support" verweist auf die biblische Szene des Letzten Abendmahls und transformiert das Geschehen ins Jetzt. Durch Domenigs sensiblen Umgang mit dem Material (in diesem Fall durchwegs Plastik), seiner Form und Funktion werden globale Themen wie die Ernährungsproblematik und damit verbunden der Umgang mit Ressourcen, Seuchen, Krankheit und Tod angesprochen. Neben dem Verweis auf Genuss und Überfluss "liegt ein schwermütiger Toch über der Arbeit, aber auch Ironie", so Johannes Domenig. " Doch vielleicht ist gerade sie als Hoffnungsträger zu verstehen."
Ausschnitt aus: Deborah Sengl, Der Wolf - als Räuber..., 2005, Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien, Museum auf Abruf (MUSA) 08.02.2008 - 30.03.2008:

Deborah Sengl. Von Schafen und Wölfen
Installation in der Burgkapelle des MMKK. Deborah Sengl beschäftigt sich intensiv mit dem Gegensatzpaar Opfer/Täter, bringt es in Verbindung mit Verhaltensforschung und Gentechnologie und nutzt die kulturellen Zuschreibungen und Bedeutungen von Tieren und Menschen. In ihrer Kunst dekliniert sie akribisch und kritisch-provokant die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten durch, die sich durch die Verquickung der unterschiedlichen Elemente ergeben. Das Schaf und der Wolf stehen ihr hierfür immer wieder Modell.

  2007
 

bella ban, traum. ein raumbild, 2007 25.10.2007 - 20.01.2008:

bella ban traum. ein raumbild
bella ban (geb. 1958 in Klagenfurt) geht mit ihrer Installation direkt auf den Raum der Burgkapelle ein, verwandelt ihn in ein dreidimensionales Bild, einen emotional höchst aufgeladenen Raum, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart, spielerische Leichtigkeit und tiefer Schmerz, Glanz und Gewalt verbinden. Als "ästhetische Puristin" ist bella ban die Übereinstimmung von Form und Inhalt bzw. Thema und Material ein besonderes Anliegen. In traum. ein raumbild arbeitet sie mit Glas, einem Material, das die Fähigkeit besitzt, Physisches abzuhalten und gleichzeitig Licht und Blicke durchzulassen. Sie setzt es metaphorisch wie architektonisch ein.
Gudrun Kampl, Tod in Samt, Installation in der Burgkapelle, 2007 22.06.2007 - 07.10.2007:

Gudrun Kampl Tod in Samt
Gudrun Kampl (geb. 1964) nimmt in ihrer Raumintervention Bezug auf den ehemals sakralen Ort, die Burgkapelle, und setzt sich in ihrer barock anmutenden und sehr samtigen und sinnlichen Installation mit Leben und Tod auseinander. „Wenn man über den Tod nachdenkt, musst du das Leben miteinbeziehen“. Es sind die wenigen Augenblicke der wahren Begegnung, die das Leben ausmachen und die vor der Schwelle des Todes ästhetische Dimensionen erleben lassen. Kampls Objekte erzählen von Anfang und Ende, von Auflösung und Wiederkehr.
Ausschnitt aus: Berlinde de Bruyckere, Schmerzensmann V, 2006 23.03.2007 - 20.05.2007:

Berlinde De Bruyckere, Der Schmerzensmann
Die international renommierte belgische Künstlerin, Berlinde de Bruyckere, Jahrgang 1964, bespielt mit einem überlebensgroßen Schmerzensmann die Burgkapelle. Die Künstlerin versteht es, traditionelle sakrale Themen in eine zeitgenössische, oft fragmentarische Formensprache höchster Eindringlichkeit zu übertragen. Der Schmerzensmann als ikonographische Skulptur reicht bis ins Mittealter zurück. Im Ambiente der barocken Burgkapelle entfaltet diese Skulptur eine außerordentliche Wirkung.

  2005
 

Ausschnitt aus: Chiharu Shiota, during sleep, 2005 20.10.2005 - 22.01.2006:

Chiharu Shiota "during sleep"
Chiharu Shiota wurde 1972 in Osaka geboren. Ihre künstlerische Ausbildung begann sie in Kyoto, in der Folge hat Shiota einige Zeit in Australien verbracht, bevor sie 1996 nach Deutschland ging, um bei Marina Abramovic zu studieren. Der ursprünglich sakrale Raum der Burgkapelle stellt den Rahmen für die Installation During Sleep von Chiharu Shiota dar. Raumfüllende Verspannungen, in denen kokonartig eingesponnen ein Krankenhausbett platziert ist, entfalten sich wirksam in den Kräftefeldern des historischen Raumes und füllen die Kapelle zur Gänze aus. In der raumgreifenden Verspannung in der Burgkapelle werden Raum- und Zeitgrenzen miteinander verstrickt. Die historische, barocke, illusionistisch dargestellte Apotheose des heiligen Domitian und die dargestellten Heiligenfiguren erfahren eine Verschleierung durch das gegenwärtige Netz. Das Bett steht im Zentrum des Raumes, verschiebt die bis dato wirksame Ikonographie des Raumes und lässt den Ort mit seiner barocken Freskierung zu einer traumhaften, nur noch schemenhaft zu erkennende Erscheinung werden, die sich hinter den Verspannungen abzeichnet. Von Shiotas Arbeit geht eine bemerkenswerte Kraft aus. Energetischen Feldern gleich bildet das Geflecht aus den gewissermaßen leitenden, ja fast schwingenden Fäden Schilde unterschiedlicher Intensität. Zeit bleibt stehen. In dieser zeitlosen Verstrickung fungiert das Bett als Synonym für Traum, evoziert das Gefühl der Bedrohung und Beengtheit eines Gefängnisses, hinterlässt Erinnerungen an Unterdrückungen von Kirche und Glauben, - an Gefühle, in denen man sich als Individuum über alle Zeiten hinweg verfängt.
Detail aus: Georg Herold, Hose runter (Mythologisch V), 1984 17.06.2005 - 28.08.2005:

Georg Herold
Erstmals in Österreich zeigt das MMKK die erste umfassende Retrospektive von Georg Herold. Herold, geb. 1947 in Jena, zählt zu den erfolgreichsten deutschen Künstlern der letzten zwei Jahrzehnte. In seinen Werken besticht er durch seine individuelle und originelle Kunstpraxis, in der er sich auch kritisch und humorvoll mit den Mechanismen des Kunstsystems auseinandersetzt. Die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler erarbeitete Werkschau bietet erstmalig einen Überblick über das Heroldsche Oeuvre, gezeigt werden mehr als 70 Arbeiten aus den letzten zwanzig Jahren. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher, reich illustrierter Katalog, der einen umfassenden Überblick über das Gesamtkunstwerk gibt. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und dem Kunstverein Hannover.

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